Mit Kunststoff an die Spitze: 50 Jahre Wayand AG

Viele bekannte Beispiele aus der Industrie zeigen, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, genügt es, wenn man zu Beginn über Ideen, Talent, ein Hobby, aber vor allem eine Garage verfügt. Da kommen einem sofort Apple und Microsoft mit ihren legendären Gründern SteveJobs und Bill Gates in den Sinn. Beide begannen in ihren Garagen. Über eine Garage verfügte anno 1967, also bereits einige Jahre vor den beiden amerikanischen Tüftlern, auch Hans-Jürgen Wayand. Und in ihr stand sein Hobby: ein Fiat 850 Coupé. Für damalige Verhältnisse ein kleiner Sportwagen, sicherlich nicht perfekt, aber bezahlbar und bei Slaloms, Rundstrecken- und Bergrennen vielfältig einsetzbar. Seine Begeisterung für dieses Modell und die Affinität zum Motorsport weckten weitere Talente in ihm: Perfektion und Verbesserungen. Gut, bei einem Fiat der damaligen Zeit war das schon eine Herausforderung, irgendetwas gab es immer zu verbessern. Doch das Hauptaugenmerk von Hans-Jürgen Wayand lag nicht auf der Technik, sondern mehr auf Design, Optik und Nutzen im Inneren des kleinen Flitzers. Die Mittelkonsole hatte es ihm angetan. In den Sechzigern war es üblich, Fahrzeuge im besten Fall mit Tacho, Drehzahlmesser, Tankuhr und Wassertemperaturanzeige auszustatten. Wer mehr wollte, musste sich für die Zusatzinstrumente einen geeigneten Platz suchen. Hierfür eignete sich die Mittelkonsole optimal. Als gelernter Maschinenschlosser bei der schon damals renommierten Firma Effgen verfügte Hans-Jürgen Wayand zum einen über die Fingerfertigkeiten und die Werkzeuge, zum anderen über die Gabe, seine Ideen auch umzusetzen. Was folgte, war viel Lauferei zwischen dem abgestellten 850er in der Garage und dem mütterlichen Kellerraum. Hier stand nämlich ein Backofen, der zweckentfremdet wurde, um aus zurechtgeschnittenen ABS-Platten die Grundform für eine Mittelkonsole zu backen und Handlaminate zu erstellen. Schnell sprach es sich in der Szene herum, in Idar-Oberstein gibt es jemanden, der hat eine Nische entdeckt und liefert genau das, was vielen Fahrern, und dazu zählte nicht nur die Fiat-Fraktion, den Einbau von Öltemperatur-, Voltmeter-, und anderen nützlichen Anzeigen erleichtert. Dass seine Konsolen dazu noch gut aussahen und sich qualitativ nicht vor Serienprodukten verstecken mussten, brachte ihn gewissermaßen positiv in die Bredouille. Denn um die zahlreichen Aufträge erfüllen zu können, musste einiges passieren. Zuerst folgte die Anschaffung einer Tiefziehmaschine in der Garage. Damit tauchten die nächsten Luxusprobleme auf: die Räumlichkeiten wurden schnell zu klein. Um die Kosten gering zu halten, wurden eine Halle (im Fachjargon „Hühnerstall“) angemietet und die ersten Mitarbeiter eingestellt. Und Hans-Jürgen Wayand konnte mit seinem jungen Team gar nicht schnell genug produzieren, um die Anfragen zu bedienen. Seine kleine Firma wuchs konstant, zu Beginn der Siebziger entwickelte man sich zum Pionier im Automobiltuningmarkt mit Custom-mades, auf die Konsolen folgten Spoiler und eine Kooperation mit der Firma Zender, deren Stärke im Marketing lag, womit sie optimal die Wayand´sche Stärken Produkt & Produktion ergänzte. Die Aufgabenverteilung war klar geregelt: Wayand produzierte, Zender vertrieb und akquirierte Neukunden. 1983 baute man die Kompetenzen aus. Fünf Jahre später stieg Sohn Michael Wayand in das Unternehmen ein – Dank seiner guten Gene mit genauso viel Herzblut bei der Sache wie sein Vater, und mit neuen Ideen. 2000 folgte ein harter Schritt, der zwar schwer fiel, sich aber auf lange Sicht als richtig erwies: die Kündigung der Kooperation mit dem langjährigen Partner Zender. Im Gegenzug erweiterte man das Geschäftsfeld Land- und Baumaschinen. Das Unternehmen wuchs und wuchs. Im 40sten Jubiläumsjahr 2007 übernahmen Michael Wayand, Brigitte Flaß-Wolf und Thomas Treger die Geschäftsführung der GmbH und schafften es 2008 gemeinsam die automobile Wirtschaftskrise, die einen plötzlichen Umsatzeinbruch von 30% mit sich brachte, zu bewältigen.

Der PUR-RIM und PDCPD-Fertigung aus. Dabei verfolgte Hans-Jürgen Wayand konstant seine bodenständige Philosophie: Gewinne wurden permanent investiert, um das Unternehmen zu vergrößern und zu verbessern, die Belegschaft hatte den Status einer Familie inne. Aus dieser Einstellung, dem Betriebsklima und wie man miteinander umging entwickelte sich eine gewisse Firmenphilosophie, die bis heute besteht und der man es zu verdanken hat, dass aus einer Garagenidee ein Unternehmen von hohem Ansehen in der Automobilindustrie wurde. Mit den Jahren wuchs man regelrecht über sich hinaus. Im Jahre 1980 folgte der Einzug in das heutige Werk 1 im Industriegebiet Georg-Weierbach.

Im gleichen Jahr wurde die WAYAND GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Vorstandsmitglieder Brigitte Flaß-Wolf mit Finanzen und Logistik, Reinhold Bengsch mit Produktion und Technologie sowie Thomas Treger mit Marketing und Vertrieb betraut wurden. Parallel begleiten seitdem Michael Wayand als Aufsichtsratsvorsitzender und Hans-Jürgen Wayand als Aufsichtsratsmitglied die drei Vorstände der WAYAND AG. Die Aktien befinden sich zu 100 Prozent in Familienhand, die Familie selbst zog sich nach der Umwandlung aus dem operativen Geschäft zurück. Nach nunmehr 50 Jahren kann die WAYAND AG für sich reklamieren, enorm viel zum regionalen Wirtschaftsstandort und seinem guten Ruf beigetragen zu haben. Namhafte Marken und Premiumhersteller in der Automobilindustrie wie AMG, Audi, Bentley, BMW, Lamborghini, Opel, Škoda, Volkswagen, etc., Daimler Trucks und DAF im Nutzfahrzeugbereich und Bomag, Claas, John Deere, Kubota oder Putzmeister in der Land- und Baumaschinenindustrie vertrauen

auf die Qualität „Made in Idar-Oberstein“. Dazu trägt auch bei, dass man sich als Serienlieferant für Front- und Heckstoßfänger-Systeme (Just-in-Sequence & Just-in-time Lieferung) sowie Schwellerbeplankungen und Heckspoiler für Premiumfahrzeuge und Klein- und mittelgroße Serien (AMG GTR, Audi R8) international einen Namen gemacht hat. Für die WAYAND AG kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, wie der Neubau von Werk 6 mit Montage und Logistikhalle zeigt. Ergänzt durch eine neue Lackieranlage (Gesamtinvestitionen 21 Mio. €), in der 200.000 Großteile im Jahr automatisch durch den Beflämm-, Grundier- und Lackierprozess gesteuert werden können, eine Verlagerung und Vergrößerung der Spritzgussproduktion in Werk 7 sowie die Anschaffung einer 4.000 Tonnen Maschine, führt man das Unternehmen so weiter, wie es Hans-Jürgen Wayand in den vergangenen fünf Jahrzehnten vorgemacht hat, und investiert stetig in Innovationen. Die Erfahrungen des letzten halben Jahrhunderts zeigen aber auch, dass es wichtig ist, für personellen

Aufschwung zu sorgen. Ein Großteil der Beschäftigten ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil der Firma Wayand und mitverantwortlich für den hohen Standard und ihren Erfolg. Mit einem eigenen Nachwuchs- und Ausbildungsprogramm sichert man sich auch für die Zukunft die erforderlichen Fachkräfte und führt sie von der Pike auf ins Berufsleben ein. Das Ausbildungsspektrum der WAYAND AG ist recht vielfältig: es reicht von handwerklichen Berufen, über Berufe aus dem kaufmännischen Bereich, bis hin zu einem kooperativen Studium. Vor allem ist die WAYAND AG einer der bisher wenigen Ausbildungsbetriebe, der in den neuzeitlichen, mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Berufen wie „Verfahrensmechaniker Kunststoff / Kautschuk“ sowie „Verfahrensmechaniker Beschichtungstechnik“ ausbildet. So aufgestellt und mit der wegweisenden Philosophie von Hans-Jürgen Wayand aus den Pionierjahren werden auf den Straßen auch in Zukunft jede Menge Fahrzeugteile aus Idar-Oberstein unterwegs sein.

Von | 2017-11-24T11:17:50+00:00 22. November 2017|Allgemein, Startseite|